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counter fits 2

staatstheater nürnberg_________________2003

Premiere am 7. Februar 2003

Tanzstück von Catherine Guerin

Catherine Guerins „Counter Fits 2“ ist gleichwohl aus mehreren literarischen Quellen inspiriert. Shelly Jacksons „Patchwork Girl“, einige Schriften Antonin Artauds und vor allem Mary Shelleys legendärer „Frankenstein“-Roman liefern zwar nicht den Stoff, aber den gedanklichen Hintergrund für ein Stück, das die Choreographin als eine „Parabel über das Choreographieren“ beschreibt. Catherine Guerin begibt sich in „Counter Fits“, das ursprünglich für das Ballett der Wiener Volksoper entstand und nun in einer neuen Fassung gezeigt wird, gleichsam ins Innere der Bewegungserfindung: „Das 'Zusammenheften' von Schritten ist ein choreographischer Akt. Wie das Verweben von Wörtern oder das Collagieren von Bildern ist der komplette modus operandi meiner Arbeit das Zusammenfügen von verschiedenen Elementen.“ Dazu gehören natürlich zunächst rein physische Aspekte, etwa die körperlichen Voraussetzungen der Tänzerpersönlichkeiten, das individuelle Zusammenspiel aller am Bewegungsvorgang beteiligten Körperteile, aber auch die Interaktion der so unterschiedlichen Körper im Ensemble. _Darüber hinaus reflektiert „Counter Fits 2“ vor allem die zeitliche Dimension der Bewegungserfindung: Ist eine Bewegung jemals „fertig“? Was passiert bei Wiederholungen, was in einem anderen Raum? Was ist wirklich „neu“, was eine Reproduktion von früher bereits Gesehenem, Getanztem, Erlebtem? Ist die Aufführung einer Choreographie nicht immer die „Auferstehung“ von etwas, das im Körper des Tänzers begraben ist?_Für Catherine Guerin gibt es eine große Korrespondenz zwischen dem live-Erlebnis Tanz und dem Film, dem Paradigma der reproduzierenden Künste: Hier wie dort gibt es kein Original, das – etwa wie ein Bild – verbessert werden kann. Kreative Arbeit kann vielmehr nur aus besonderen Formen der Wiederholung bestehen – möglichst immer besseren, präziseren Reproduktionen von bestehendem Material. Die Komposition von Gesehenem und Gefundenem gleicht für sie durchaus der Zusammensetzung von Szenen._Für „Counter Fits 2“ ist das „Sampling“ von Bewegungen, also die permanente Neuformulierung, -kombination und -bearbeitung das leitende Prinzip. Für die Choreographin birgt dies ein Moment von Freiheit: „Von traditionellen und konkreten Kommunikationsmustern befreit, können die Dinge im Tanz einfach geschehen, sich Bilder formen, sich Strukturen in einem von den Tänzern erfülltem Zeit-Raum-Kontinuum frei entfalten. Eine Freiheit, die aus der Erkenntnis der Grenzen des menschlichen Körpers gewonnen ist und aus dem Bewußtsein, dass alles Neue zwangsläufig aus schon bestehender Substanz hervorgeht. _Spätestens hier erweist sich Frankensteins archetypische Horror-Schöpfung als Sinnbild für Catherine Guerins Arbeit: So wie sich der Körper des Monsters aus verschiedensten (Leichen-)Teilen zusammensetzt, ist der „choreographische Körper“ ein synthetisches Produkt, das erst durch die gezielte Komposition seiner Bausteine lebendig wird._ Uwe Sommer