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textus

textus_________________1998

Kunst und Kultur Text von Helmut Ploebst

Catherine's Zeichen (Auszug)

Eine der Tänzerinnen spinnt bei „Textus“ den roten Faden in einer nicht linear erzählerischen Folge aus Bildern, Skizzen, Ideen, die wie das Echo auf jenes Gedicht, „Pasado en claro“ von Octavio Paz, wirkt, das den Ausgangspunkt für diese Arbeit gebildet hat. Die sieben Tänzerinnen und Tänzer verwandeln sich von menschlichen Wesen in mythische Zeichen, in Traumsymbole, in Hieroglyphen, in kinetische, dreidimensionale Schriftzeichen. Jeder der Körper ist Zeichenträger. In seinen Bewegungen entstehen Begriffe, Sätze, Erzählungen. Wenn zwei Tänzer miteinander in Beziehung treten, geraten zwei Erzählstränge aneinander, flechten sich zwei Bewegungsdialekte mit gemeinsamer Grammatik ineinander. Die Gesamtkomposition „Textus“ veranschaulicht diesen Prozess sehr klar, weil Guerin, angeleitet durch Umberto Ecos Semiotik, Sprach- und Bewegungslogik zu fusionieren sucht. Hier bekommt – auch bei Forsythe lässt sich das ablesen – ein aus dem Ausdrucksmaterial des klassischen Balletts stammendes Vokabular neuen Sinn.
Das TTW hat es verstanden, ausgezeichnete Tänzerinnen und Tänzer zusammenzuführen. Daphne Strothmann, Esther Balfe, Baris Dilaver, Mani Obeya, Michael Dolan, Harmen Tromp und Nina Kripas sind nicht bloß gute Zeichenträger, sie haben das einstündiges Erzähl-System mit Guerin zusammen erarbeitet; das aktive Mitwirken der tanzenden hat das Stück noch vertieft und intensiviert. „Textus“ vereint formale Stringenz und konzise Erzählform mit ästhetischem Feingefühl. Diese Choreographie hat für den im Ballett wurzelnden zeitgenössischen Tanz in Wien einen Maßstab gesetzt; sie sollte bald einem breiteren Publikum präsentiert werden.